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1. Bundesliga                                                                                              25.04.2012

Alles Bundesliga – oder was?
Liga-Reform verwässert sportliches Niveau!

Werden die Top-Vereine SC 80, HRK und TVP ausgebremst?

Alles Bundesliga – oder was?
Liga-Reform verwässert sportliches Niveau!

Die vom DRV-geplante Strukturreform der Ligen sieht einen Erweiterung der 1. Bundesliga von 10 auf 24 Vereine (=+140 %), sowie der 2. Bundesliga von bis her 18 auf 24 Vereine (= +33 %) vor. Damit wird die erste und zweite Bundesliga um insgesamt 171 % mit meist unterklassigen Teams aufgebläht und der Unterbau stark ausgedünnt.

Viele der davon betroffenen Vereine sind momentan noch sehr erfreut über ihren „Aufstieg am grünen Tisch“. Aus ihrer Sicht ist dies natürliche eine feine Sache: Ohne irgendwelche zusätzlichen sportlichen und personellen Investitionen kommen sie in den Genuss ein „Bundesligist“ zu werden.

Kritiker und wesentliche Befürworter sind sich darin einig, dass damit das sportliche Niveau deutliche verwässert wird. Die erste Liga fällt weitestgehend auf 2. Liga-Niveau, die bisherige zweite Bundesliga stürzt auf Regionalliga-Niveau ab. Von den Betreibern der Reform wird dies billigend in Kauf genommen, sie erhoffen sich eine Erholung des Niveaus in den nächsten Jahren.

Was ist der Hintergrund von dieser angedachten Reform?

Jahrelang wurde speziell in Gremien des DRV und in den Erstligavereinen von einer „Professionalisierung“ im deutschen Rugbysport geträumt und diese Entwicklung herbei geredet. Als der SC Frankfurt 1880 vor wenigen Jahren dies dann umsetzte und mit einem „professionelles Team“ in der 1. Bundesliga antrat, wurde von vielen noch über diesen „zukunftsweisenden Schritt“ stark gejubelt. Die Vereine Heidelberger RK und der bisherige Regionalligist TV Pforzheim zogen mit der Professionalisierung nach.

Auf der sportlichen Bühne kam es zu einem großen Umbruch: Die bisherigen Spitzenteams SCN Heidelberg, RG Heidelberg und TSV Handschuhsheim Heidelberg wurden von ihren Stammplätzen in der 1. Bundesligaspitze verdrängt.

Erst spät wurde von einigen Vereinen erkannt, dass der Kampf um die vier begehrten Play-Off-Plätze in der 1. Bundeliga neu aufgeteilt war. Neben den drei professionellen Teams aus Frankfurt, Heidelberg (HRK) und Pforzheim ist und bleibt vermutlich auch nur noch ein Platzfrei! Das diesjährige Rennen um diesen einzigen „freien Platz“ hat verdientermaßen der SCN Heidelberg gemacht.

Den Mitbewerbern RG Heidelberg und TSV Handschuhsheim Heidelberg wurde anscheinend erst jetzt bewusst, dass für sie der Zug abgefahren, und, wenn überhaupt nur noch der wenig aussichtsreiche Kampf um Platz vier möglich ist.

Die groteske 147:12 Niederlage vom TSV Handschuhsheim/Heidelberg beim Meister Heidelberger RK, sowie das Nichtantreten des Tabellensechsten RG Heidelberg beim RK 03 Berlin, deuten möglicherweise auf starke personelle und strukturelle Probleme hin. Wurden die Zeichen der Zeit zu spät erkannt und nicht für die entsprechenden leistungsfähigen Strukturen gesorgt.

Werden die Top-Vereine in Frankfurt, Heidelberg und Pforzheim ausgebremst?

Wer jetzt auf einen (Rugby gemäßen) kräftigen Ruck in den mittleren und unteren Rängen der ersten Bundesliga gewartet hat, sieht sich stark getäuscht. Der Wettbewerb wurde von vielen Betroffenen vom Rasen auf den „grünen Tische“ verlagert.

Mit Hinweis auf die sehr hohen „Klatschen“ gegen die Top-Teams der 1. Bundesliga, sowie der mangelnden Aufstiegsbereitschaft von einigen potentiellen Aufsteigern in die 1. Bundesliga sollen anscheinend durch die angestrebte Liga-Reform

-      die Top-Vereine (SC Ffm 1880, Heidelberger RK und TV Pforzheim) ausgebremst,

-      die hohen „Klatsche“ auf die noch schwächeren Teams mit umverteilt,

-      der Klassenerhalt von potentiellen Absteigern am „grünen Tisch“ gesichert,

-      der Aufstieg durch „Um-Etikettierung ohne sportliche Wertsteigerung“ am grünen Tisch ermöglicht

werden.

Dabei nehmen die Verantwortlichen billigend in Kauf, dass u. A.

-      das sportliche Niveau stark absinkt,

-      mühsam aufgebaute Reserveteams von vorbildlich arbeitende Vereinen, den Zwangsabstieg in die lokalen Regionalligen verordnet bekommen und dort für Verdrängung sorgen,

-      der Unterbau in den Regionalligen durch eine schwere Ausdünnung stark geschwächt wird,

-      durch die neue geplante Ab- und Aufstiegsregelung von 2. BL zu Regionalligen und umgekehrt, die Durchlässigkeit stark reduziert wird (bisher mindestens vier Teams, dann nur noch zwei Teams deutschlandweit). Dies dürfte die, durch die Einführung der 3. Liga Süd-West erweckte Motivation des Unterbaus zur Leistungssteigerung deutlich zurück werfen, beziehungsweise wieder einfrieren.

-      Das neue System führt durch seine Komplexität und damit verbundenen Abhängigkeiten höchstwahrscheinlich zu starken Einbrüchen (z.B. Nichtantreten, Rückzug von Mannschaften vor und während der Saison, Nichterfüllung der Lizenzbestimmungen, etc.).

Die ehemalige Hochburg Hannover hat in der Vergangenheit vorgemacht, wie durch falschen Ehrgeiz, schlechtes Management und einer Politik der verbrannten Erde, eine früher gut funktionierende und starke lokale Rugbyszene qualitativ und quantitativ abgewirtschaftet wird.

Schlussfolgerung:

Der Deutsche Rugby-Verband folgt da lieber seiner langjährigen Tradition des Misserfolges und der selbst produzierten Pannen.

Anstatt das Übel im Deutschen Rugby-Verband endlich einmal an der Wurzel zu packen und von unten nach oben eine sichere und erfolgreiche Struktur aufzubauen, wird wieder einmal der Versuch unternommen, das Gebäude von oben nach unten zu sanieren.

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