Nationalmannschaft was nun?

Unsere Nationalmannschaft unterlag bei strahlendem Sommerwetter in Varel gegen Dänemark mit 19 : 39. Nach den ersten zwei Niederlagen gegen die Ukraine und Russland waren bereits die Hoffnungen auf den Aufstieg abgeschrieben worden. Die Niederlagen gegen Kroatien und Dänemark ließen auch noch den Traum auf den Klassenerhalt wie eine schillernde Seifenblase platzen.

Woran lag es?

A. Die direkte Vorbereitung auf den Wettbewerb:

Die Konkurrenten hatte sich mächtig ins Zeug gelegt:

-         alle hatten sich mit international erfahrenen Spielern der eigenen Volkszugehörigkeit verstärkt.

-         Die Konkurrenten hatten intensive, teils wochenlange Vorbereitungen durchgeführt.

Da konnte unsere Nationalmannschaft nur wenig dagegen setzen:

-         Es wurden bewusst nur wenige „ausländische“ Spieler mit deutscher Abstammung eingesetzt, damit einerseits die jungen Nationalspieler von den erfahreneren Spielern lernen und profitieren können, anderseits wir keine Legionärsmannschaft erhalten.

-         Die Vorbereitung fand nur an wenigen Wochenenden statt.

B. Die Grundvoraussetzungen

-         eine der wichtigsten Sichtungsmöglichkeit für unseren Nationaltrainer und analog eine interessante Plattform für Talente, waren die deutschen Meisterschaften der Landesverbände. Diese wurde mangels ausreichendem Interesse der Landesverbände, Vereine und Spieler auf das Nord-Südspiel reduziert oder verstümmelt. Denn in diesen Auswahlmannschaften spielen eh nur die TOPS der 1. Ligisten und falls die nicht wollen oder können, andere bekannte Nachrücker, die sowieso bekannt sind.

-         Weiterhin sind fast überall die Auswahlmannschaften in einen Dornröschenschlaf verfallen. Hiermit ist eine weitere notwendige Plattform für Spieler und Verantwortliche entfallen. In der Auswahl konnten und mussten die besseren Spieler der Vereine mit gleichstarken, gegen gleichstarke zusammen spielen. Und wurden oft mehr als im Bundesligaspiel gefordert.

-         Die Trainerausbildung wird vielerorts stark vernachlässigt. Viele der Spitzentrainer, und nicht nur die, vermitteln noch ein Rugby der 60-ziger und 70-ger Jahre. Das ist schon längst Geschichte. So wird den Spielern oft nicht die bestmögliche Ausbildung angeboten und das entsprechende moderne Rugby vermittelt. Das bedeutet, dass diese Spieler nur Leistungen bringen können, die eigentlich unter ihrem möglichen Niveau liegen. Eine unfreiwillige Form des (Rugby-) Kastratentums?

-         Die Anzahl und Qualität der Schiedsrichter hat stark abgenommen. Darunter leidet das deutsche Rugby gesamt. Früher hatten (fast) alle Vereine, so wie es sich gehört, Schiedsrichter gestellt. Da war es kaum ein Problem, die Spiele aller Klassen mit einem guten und vereinsneutralen Schiedsrichter zu besetzen. Weiterhin brachten diese Schiedsrichter ihre Regelkenntnisse in ihren Verein und dessen Mannschaften ein.

-         Die Anzahl und Qualität der Funktionäre lässt ebenfalls stark nach. Immer weniger müssen immer mehr, mit immer weniger Unterstützung schaffen. Da sind Pleiten, Pannen und der Rückschritt nahe.

-         Die Ausbildung der Spieler lässt in vielen Bereichen zu wünschen übrig. Mangels qualifizierter Trainer und Funktionäre wird oft nur eine Minimalausbildung vermittelt. Die besseren Sportler und Funktionäre wandern ab oder kommen erst gar nicht zum Rugby, der Rest (?) bleibt.

-         Die Nachwuchsarbeit im Bereich der Altersgruppe der Jugend und Junioren, hat deutlich abgenommen, besser gesagt ist fast zum Erliegen gekommen. Bundesweit gibt es keinen geregelten Spielverkehr mehr. Die Spitzenvereine gehen da oft mit schlechten Beispiel voran. Lieber noch ein paar teuer eingekaufte Ausländer, möglichst mit deutschen Stammbaum, mehr – als in die Nachwuchsarbeit investiert.

-         Die Nachwuchsarbeit im Schülerbereich war und ist in vielen Bereichen rückläufig. Mangelndes Engagement der Vereine (bei Funktionären und Mitgliedern), fehlende qualifizierte Mitarbeiter sind die Hauptursachen dafür. Einige positive Beispiele geben wieder Hoffnung auf Besserung.

-         Die Gewinnung, Ausbildung und Führung von Mitarbeitern, sowie der Umgang mit Ihnen wurde ebenfalls stark vernachlässig. Jeder will, kann und darf kritisieren, gar beschimpfen. Aber helfen, vormachen und unterstützen, das braucht keiner? Wen wundert es da wenn nur noch ganz hartgesottene oder „dumme und unverbesserliche“ in der Mitarbeit zu finden sind? Geschweige das Ergebnis?

-         Die Gründung neuer Vereine, Schul- und Universitätsgruppen und Initiativen stößt in eigenen Rugbyreihen immer noch auf Unverständnis, Misstrauen und Gegenwehr !?! Die Angst vor möglichen (Spieler- und Spiel-) Verlusten oder möglicher Konkurrenz macht blind. Die Superchancen, die uns allen eine bessere Verbreitung und besser Dichte im Rugbysport bieten, wiegen alle Nachteile auf und führen uns zum Erfolg.

C Fazit

-         Die Situation unseres deutschen Rugbysports ist hausgemacht, verschlafen, versäumt und vernachlässigt.

-         Die grundsätzlichen Bedingungen in Deutschland sind für unseren Sport zur Zeit eigentlich sehr positiv. Die Begeisterung der Kinder an Schulen und in guten Rugbyjugendgruppen sprechen Bände.

-         Die obengenannten Schwierigkeiten sind alle zügig und leicht zu beheben und in ein konstruktives Schaffen umzupolen.

-         Dazu gehört es, das auf allen Ebenen, vom DRV-Vorstand bis runter zum Vereinsjugend-Ausschuss, Spielern und Mitgliedern fair und konstruktiv miteinander umgegangen wird.

-         Mannschaftsgeist ist eine der auch in Deutschland viel gepriesen Rugby-Tugenden. Gepaart mit dem richtigen fachlichem Wissen auf allen Ebenen, dürfte dann der Weg in eine erfolgreiche auch internationale deutsche Rugbyzukunft frei sein.

-          Die Neugründungen und Stärkung von Vereinen und Verbänden müssen unterstützt werden. Nur so können wir den Aufwand und das Ergebnis optimieren.

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